Waschen... seit 4500 Jahren!

Wäsche waschen: eine alltägliche Selbstverständlichkeit. Lange Zeit jedoch war das Waschen die kraft- und zeitaufwendigste Arbeit im Haushalt. Weit bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es keinerlei maschinelle Hilfsmittel. Das wichtigste Utensil war das Waschbrett. Gewaschen wurde in einer Lauge aus Asche (Pottasche, später Soda) und einem Duftstoff.


Die erste sichere Quelle stammt aus Mesopotamien um ca 2500 v. Chr. und ist ein Seifenrezept. Damit gehört sie Seife zu den ältesten chemischen Produkten überhaupt.
Auch Ägyptische Wandmalereien zeigen, wie Sklaven zur Reinigung die Wäschestücke mit Wasser waschen und mit Keulen schlagen. Anschließend wringen die Männer den gewaschenen Stoff gründlich aus. Inschriften bezeugen, dass die alten Ägypter bereits Soda, das sie als Mineral in der Wüste fanden, und Pottasche als Waschzusätze verwendeten. Obwohl die Ägypter schon um 600 v. Chr. die Herstellung von Seife beherrschten, wurde ihre Waschwirksamkeit spät entdeckt. Zunächst diente Seife eher als kosmetisches Hilfsmittel denn zur Reinigung.
Bei den Römern spielte die Seife als Waschzusatz lange keine Rolle. Erst Plinius der Ältere (um 23 - 70 n. Chr.) berichtete über die Verwendung von Seifen, als er die Bräuche der Gallier und Germanen schilderte. Auch diese beiden Völker benutzten Seife als kosmetisches Mittel - hauptsächlich als Haarpomade. In dieser Verwendung wurde Seife zu einem begehrten Handelsgut und erst im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde sie von den Römern zu Reinigungszwecken verwendet. Selbstverständlich wuschen die Griechen und Römer ihre Wäsche trotzdem. Sie verwendeten dazu Aschenlauge, eine Vermengung von Wasser und Holzasche, die einen hohen Alkalianteil aufweist. Die Römer kannten noch einen weiteren, heute vielleicht etwas unappetitlich erscheinenden, aber durchaus wirksamen Weg, Alkali zu gewinnen: Die Wäscher sammelten menschlichen Urin, der die Eigenschaft besitzt, beim Zersetzungsprozess alkalischen Ammoniak zu erzeugen. Die großen Gewinne, die die Wäscher mit dieser Praxis machten, führten Kaiser Vespasian dazu, Steuern auf Urin zu erheben. In diesem Zusammenhang prägte er den Satz "Pecunia non olet" (Geld stinkt nicht).
Viele Jahrhunderte änderte sich die Praxis des Wäschewaschens nicht nennenswert. Die Seifenverwendung für das Waschen war auch im Mittelalter nur den wohlhabenden Kreisen vorbehalten. Die Herstellung war sehr teuer und die ärmeren Menschen griffen nach wie vor auf Holzasche und Talg als Reinigungsmittel zurück. Erst im 19. Jahrhundert - im Zuge der industriellen Revolution - stieg der Bedarf an Seifen an. Die Rohstoffe Talg und Holzasche begannen knapp zu werden und so wurde die Entwicklung neue Verfahren zur Seifenherstellung notwendig. Der Arzt und Chemiker Nicolas Leblanc entwickelte 1789 ein später nach ihm benanntes Verfahren zur chemischen Sodaherstellung und ebnete so den Weg zu einer industriellen Massenherstellung von Seifenprodukten. Aus dem Handwerksberuf des Seifenmachers, dessen Zentrum lange Zeit Marseille gewesen war, wurde nun ein gigantischer Industriezweig, der noch bis heute tausenden Menschen einen Arbeitsplatz sichert.

Trotz allem aber war der Waschvorgang an sich bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wahrliche Schwerstarbeit. Die mechanischen Vorgänge des Stampfens, Schlagens oder Reibens der Wäsche auf einem Waschbrett, durch die der Schmutz sich leichter aus den Textilien löste, forderte einen hohen Kraftaufwand, der durch das Kochen der Wäsche nur unwesentlich erleichtert wurde. Erst die Erfindung der Waschmaschine und leistungsstarker, moderner Waschmittel brachte eine Wende in der Wäschereinigung mit sich.

Das erste Waschpulver eroberte um 1880 den Markt. Bis dahin war Seife nur als Block erhältlich und die Wäsche wurde entweder direkt mit Seife eingerieben oder man schabte feine Späne von der Seife in das Waschwasser. Eine weitere enorme Erleichterung des Wäschewaschens brachte die Erfindung der ersten elektrischen Wachmaschine im Jahr 1901. Das anfänglich noch sehr teure und für viele unerschwingliche Gerät steht dank immer weiter geführter Entwicklungen und moderater Preise inzwischen in fast jedem Haushalt. Wäsche waschen - lange Zeit ein sehr zeitaufwendiges und kräftezehrendes Verfahren - ist für den modernen Menschen zu einer Pflicht geworden, die ganz einfach nebenbei erledigt werden kann.

Doch auch in heutiger Zeit bleibt das Wäschewaschen ein spannendes Betätigungsfeld - vor allem für Chemiker. Eine der wichtigsten Aufgaben wird sein, leistungsstarke und umweltschonende Waschmittel zu kreieren, die eine immer bessere Waschleistung erbringen. So wird uns in Zukunft das Wäschewaschen sicher noch leichter gemacht.